Weniger müssen müssen und mehr wollen dürfen

Sie und ich wissen, dass der Technologiewandel sowohl Geschwindigkeit als auch Reizfülle angehoben hat. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mir passiert es häufig, dass ich das vergesse. Ich nehme an, dass das, was es heute zu „wuppen“ gilt, doch irgendwie normal ist, nenne es „den ganz normale Wahnsinn“ oder auch das „Hamsterrad“. Und das scheint auch vielen anderen so zu gehen. Da ist einfach etwas in unserer aktuellen Welt, was uns dazu verleitet, immer wieder auf die Schiene des Funktionierens zu geraten.

Dabei fühlt sich ein selbstbestimmter und durch uns aktiv gestalteter Tag viel gesünder und sinnvoller an. Was mir persönlich hilft und offensichtlich auch meinen Kunden, fasse ich als kleine Checkliste zusammen. Vielleicht probieren Sie es auch ‘mal aus:

 

  1. Merken, was los ist.

Im Coaching-Jargon sagt man auch „Anerkennen, was ist“. Ich denke, es ist hilfreich, dass wir zwischendurch einmal die „Hand aufs Herz“ legen und uns fragen „ist das noch normal?“, „bin ich noch normal?“, „ist das gut so, wie es ist?“. Wenn dann der Gedanken kommt „ich fühle mich wie in einem Hamsterrad“, dann ist das schon einmal der erste Schritt zu einer Veränderung.

Dazu brauchen Sie ganz praktisch nur einen Termin in Ihren Kalender zu schreiben, damit Sie sich erinnern, „Ihre Hand aufs Herz zu legen“, z.B. bei einem Strandspaziergang.

 

  1. Gestaltungsräume suchen.

Die Suche nach eigenen Gestaltungsräumen wäre dann der nächste Schritt. Vielleicht kennen Sie auch die Kollegen Herrn Aber, Frau Geht-nicht und Herrn Wie-denn-bitte, die sich nun allzu gern in den Weg stellen und Ihre Sicht auf die Gestaltungsräume versperren. Wenn Sie dann zu Schritt 1 gehen und sich bewusst macht, dass sich nun Verhinderer eingeschaltet haben, haben Sie Ihre Chancen verbessert, etwa zu ändern. Was Sie tun können ist, dass Sie die Herren und Damen Verhinderer in Ihrem Inneren (die Psychologie nennt dies Teile, Innere Teammitglieder, States…) bitten, ein Stück zur Seite zu treten.

 

  1. Gestaltungsräume finden.

Ich bin davon überzeugt, dass eine Suche nach Möglichkeiten immer zu einem Finden von Möglichkeiten führt. Geben Sie bloß nicht zu früh auf. Ich merke selbst und ich sehe es an meinen Kunden, dass es viele Möglichkeiten gibt, den Arbeitsalltag qualitativ anzureichern, zu entschleunigen, aufzuwerten. Dazu ist es hilfreich, dass Sie einen mentalen Vergleich anstellen. Was wünsche ich mir? Wie ist es, wenn der (Arbeits-) Tag mir entspricht? Wie ist es aktuell? Wie komme ich mehr zu meinem Wunschbild? Was heißt das konkret?

Vielleicht spricht es Sie an, einmal einen Zeichenblock und ein paar Buntstifte zur Hand zu nehmen, in Ihrem inneren Kino einen idealen Tag zu erleben und diesen aufzumalen. Da wollen Sie hin!

 

  1. Tatsächlich etwas dafür tun.

Auch kleine Änderungen brauchen Zusatzenergie. Es ist also nicht schlimm, wenn Sie denken „wow, ist das anstrengend“, denn da meldet sich einfach die alte Gewohnheit (Herr Aber, Frau Geht-Nicht oder Herr Wie-denn-bitte). Es geht darum, diesen „Zug“ in die alte Gewohnheit …(na?…was wohl?….ja genau) ANZUERKENNEN und daran vorbeizugehen, das Neue trotzdem zu tun.

Wussten Sie schon, dass man eine neue Gewohnheit einführt, indem man die Sache ca. 8 x wiederholt? Wenn Sie z.B. für sich formulieren, dass Sie den Morgen mit mehr Muße erleben wollen und dazu den ersten Kaffee mit Genuß trinken wollen … dann machen Sie abends alles bereit, damit Sie morgens gleich an dieses kleine Ritual erinnert werden und keine große Energie dafür aufwenden müssen. Wenn Sie dies nur einige wenige Tage durchhalten, wird es Ihnen spätestens am 9. Tag fehlen. Probieren Sie es doch mal aus und fangen Sie mit einer kleinen Sache an.