Von außen sieht der Coachingberuf oft aus wie eine Aufgabe auf der Sonnenseite des Lebens: sinnstiftende Gespräche, flexible Zeiten, bewegte Aha-Momente – ein bisschen „New Work auf zwei Beinen“.
Mit den 23 Jahren Erfahrung als hauptberuflicher Coach kann ich sagen: Ja, diese Sonnenseite gibt es, und sie ist groß. Aber sie kommt im Paket mit ein paar Schatten, über die wir seltener sprechen.
+++Die Sonnenseiten: Wenn aus Reden wirklich Wandel wird
An den meisten Tagen sage ich abends am Esstisch: Es war wieder so ein schöner Tag mit vielen intensiven Begegnungen und produktiven Gesprächen.
Um den Kritikern gleich etwas entgegenzusetzen: Ja, ich bin ordentlich ausgebildet. Aber hej: Vor 23 Jahren war ich nicht so gut wie heute – Sie etwa? Bitte gebt den Coaches dieser Welt die Chance, ihre Arbeit zu tun und mit jedem Tag besser zu werden. Ich denke, wer ein gutes Bewusstsein dafür hat „was kann ich und was kann ich (noch) nicht“, wird gute Arbeit leisten. In diesem Beruf wird man vor allem durchs Tun besser. Fancy Zertifikate machen noch keinen guten Coach. Man muss sich auf den Weg machen. Und das ist in einem zertifikatsgläubigen Land schon auch ein Beweis für Mut und etwas, was man positiv sehen darf.
Was sind das für Erlebnisse, die so bereichernd im Beruf des Coaches sind? Wenn eine Führungskraft sich endlich gut aufgestellt fühlt und wieder schlafen kann. Wenn eine HR-Verantwortliche erleichtert sagt: Jetzt kann ich endlich inhaltlich mitarbeiten und fühle mich endlich ernstgenommen. Wenn jemand mitten in der Neuorientierung beschreibt: Ich merke, dass ich aus meinem Tief herauskomme, ich hatte große Angst. Wenn ich mit jemandem die Zusammenhänge zwischen frühen Prägungen und heutiger Belastung beleuchte und derjenige dann Erfahrungen besser integrieren kann, leichter lebt und aus der depressiven Verstimmung herausfindet.
Das sind die Momente, in denen Coaching (oder auch Therapie) sich für mich sinnstiftend anfühlt: Wir klettern ein Stück heraus aus dem Alltagsgetöse, schauen aus der Sicherheit des Settings von oben auf Muster, Entscheidungen, Grenzen und Möglichkeiten, gehen ein Stück des Weges gemeinsam – und dann steigen meine Klienten bewusster und selbstbestimmter wieder in ihren Alltag ein, an einem besseren Punkt.
Letztens las ich einen Kommentar: Die Leute brauchen doch nur einen teuren Coach, weil sie keine tiefen Gespräche mehr mit ihren Freunden führen. Interessante Ansicht. Zwischen den Zeilen ist oft so viel Be- und Abwertung oder gar Anmaßung zu lesen, das ist keine gute Entwicklung, finde ich. Ich bin froh darum, dass Menschen heutzutage die Möglichkeit ergreifen, die Themen mit einem professionellen Gegegenüber zu besprechen. Mein persönliches Highlight war vor einigen Jahren, als mehrere Klienten- und Klientenpaare sich im Wartezimmer unserer Praxis begegneten und miteinander ins Gespräch kamen. Das war in meinem Gründungsjahr 2003 völlig undenkbar. Ich finde es sehr gut, dass unsere Gesellschaft endlich rausgeht aus diesen Muster, immer alles mit sich selbst ausmachen zu wollen. Freunde und Familie sollten a) nicht mit manchen Themen belastet werden und sind b) nicht geschult, können de facto oft nicht wirklich helfen und c) sind sie auch oft der Anlass dafür, dass sich Menschen Hilfe suchen müssen.
+++Wo Sonne ist, ist auch Schatten: Belastung aushalten und Verantwortung übernehmen
Zur Wahrheit gehört aber auch: Coaching heißt, ein Stück weit mit im Leben der Anderen zu stehen. Das heißt für den Coach, etwas aushalten zu können. Ich erlebe sehr, sehr viele Tränen und Verzweiflung.
Denn hinter jeder Führungskraft, jedem HR-ler, jedem Mitarbeiter, jedem Menschen steht eine persönliche Biografie und Situation, die es in sich haben können.
Das alles berührt, braucht ein eigenes gutes Toleranzfenster, hohe Wahrnehmungsfähigkeit, sehr gute Selbstreflektion und sehr gute Abgrenzungsfähigkeiten. Das kommt alles mit der wachsenden Erfahrung. Je länger ich dabei bin, desto weniger spielen starre Prozesse und Methoden eine Rolle – so wie im therapeutischen Kontext trägt auch im Coaching die Beziehung. Jedoch ist es mein professioneller Anspruch, an den entscheidenden Stellen sehr gewissenhaft und gründlich zu arbeiten und methodisch vorzugehen. Wenn ich zu Methoden greife, dann vorzugsweise zu wissenschaftsnahen Methoden, die sehr transparent und nachvollziehbar sind. Denn mein Anspruch ist es, Selbstbestimmtheit zu stärken, und dafür sollen meine Coachees immer auch Methoden- und Psychoedukation genießen, nachlesen können und sich von mir unabhängig & handlungsfähig fühlen.
Ich empfinde trotz – und wegen – dieser Verantwortung großen Sinn in meinem Beruf: Freude über die Erfolge meiner Klienten, über ihr Wachstum, ihre gestärkte Selbstbestimmtheit und Wirksamkeit, ihre spürbar gestiegene Zufriedenheit.
Wer mit dem Wunsch liebäugelt, mit Menschen arbeiten zu wollen: Was, wenn es gut geht? Was, wenn es eine sehr gute, lebensverändernde Idee ist? Ich biete mich gern als Gegenüber an, um über diesen Wunsch zu sprechen und erste Hilfestellungen zu geben.
Der Zeitpunkt ist vielleicht sogar besonders günstig: in Kürze werde ich eine Coachingausbildung anbieten. Praxisnah, orientierend, handfest. Dort werden meine Erfahrungen als Coach und Therapeutin einfließen und – das möchte ich gern hervorheben – die in der Praxis bewährten Kerninstrumente ID37 (wissenschaftlich valide Persönlichkeitsanalyse) und meine Leaderhip Expedition (Leadership Simulation/Spiel).
Diese Kerninstrumente können auch die schon bestehenden, erfahrenenen Coaches bei mir lernen, Termine dafür stehen schon auf meiner Website unter Veranstaltungen.
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