5 Führungsimpulse im Umgang mit der Gen Z – und allen anderen Generationen

Vor einigen Jahren habe ich mein Motto von „Zielfindungen – Zielerreichungen “ zu „selbstbestimmt & wirksam“ geändert. Auch, weil ich meine Coachingaktivitäten und meine Therapiearbeit unter einer Klammer fassen wollte. Gleichzeitig merkte ich, dass Selbstbestimmtheit der gemeinsame Nenner unzähliger Anliegen und roter Faden meiner Arbeit ist.

Allerdings stelle ich fest, dass Selbstbestimmtheit durchaus übertrieben werden kann. Selbstbestimmtheit kann mit Leichtigkeit in Selbstbezogenheit umschlagen – in großstädischen Treiben genauso vertreten wie auf der weltpolitischen Bühne. Teil meiner Arbeit ist es daher, immer wieder für Selbstbestimmtheit im richtigen Maß, im Kontext zu werben.

Ich fürchte, auch die Generation Z kann leicht in den Verdacht geraten, zu selbstbezogen zu sein. 100% Homeoffice-Forderungen, Anspruch auf Titel und hohe Gehälter, selbstbewusste Selbstpräsentation.

Allerdings muss ich für die junge Generation eine Lanze brechen: Erst einmal gibt es nicht DIE Generation Z, natürlich hat jegliches Generalisieren eine große Unschärfe. Ich erlebe junge Coachees, die sehr bewusst mit ihren Themen umgehen, sehr gut artikulieren können, was ihnen im Kopf herumgeht, die mit großem Ernst an die Auswahl ihrer Karrieresteps (im Dschungel unzähliger Möglichkeiten – nicht zu beneiden!) gehen und und und.

Ich reibe mir von Zeit zu Zeit die Augen, denn ich bekomme die Diskrepanz zwischen dem Alter und der Reflektiertheit oft nicht überein. Ich finde, hier haben wir eine Generation, die Vieles umsetzt, von dem wir alle lange geträumt haben. Freiheiten. Eigenständiges Arbeiten. Ein bereichernder Job.

Der Konflikt liegt wohl eher darin, die Unterschiedlichkeit in Haltungen und Werten im Team etwas zu glätten, Verhalten verstehbar zu machen und aufeinander abzustimmen und einen Mikrokosmos zu schaffen, in dem die Unterschiedlichkeit wirklich Synergien hervorbringt. Im Folgenden wollte ich eigentlich einige Tipps zusammengestellt, die dabei helfen sollten, die Generation Z mit mehr Leichtigkeit zu führen. Ehrlicher Weise handelt es sich um Aspekte, die auch unter der Überschrift „modern leadership“ gut Platz finden und so auch für Mitarbeiter aller Generationen eine gute Idee sind. Das „von oben Herunterregieren“ ist vorbei … nicht mehr lange, dann überall.

Hier also einige Führungsimpulse im Umgang mit der Gen Z – und allen anderen Generationen:

1. Sinn und Lernchance immer mitkommunizieren
Führungskräfte sollten heute Aufgaben nicht nur über Ziele und Deadlines definieren, sondern den Beitrag zum größeren Ganzen deutlich machen: Wozu dient diese Aufgabe, für wen erzeugt sie Nutzen, welche Lernchancen entstehen dabei? Gerade dort, wo intrinsische Motive wie Neugier stark ausgeprägt sind, entsteht so ein innerer Antrieb, der weit über extrinsische Anreize hinausgeht.

2. Partizipation ernst nehmen, nicht inszenieren
Führung tut gut daran, echte Mitgestaltung zu ermöglichen: Wahlmöglichkeiten bei Projekten, transparente Entscheidungsprozesse, klar umrissene Verantwortungsbereiche. So werden intrinsische Motive wie Einfluss und Autonomie konstruktiv angesprochen, statt im Widerstand gegen hierarchisches „Durchregieren“ zu landen. Wer Partizipation an der richtigen Stelle einsetzt, gewährleistet von vornherein das Commitment der Mitarbeitenden.

3. Grenzen als Teil professioneller Zusammenarbeit verstehen
Führungskräfte sollten heute akzeptieren, dass das Setzen von Grenzen – etwa bei Arbeitszeit, ständiger Erreichbarkeit oder mentaler Belastung – kein Ausdruck von Bequemlichkeit, sondern von veränderten Werten und gesundem Selbstschutz ist. Wenn offen darüber gesprochen wird, wann Arbeit gut erledigt werden kann und was realistisch leistbar ist, entsteht ein guter Rahmen, der es Mitarbeitern erlaubt, gewisse Freiheitsgrade zu realisieren. Im gleichen Zuge sollte über die Bereitschaft des Teammitglieds gesprochen werden, das Teamklima aktiv zu unterstützen und Präsenzzeiten zu zeigen, um echte und sinnvolle Begegnungen mit Team und Führungskraft zu ermöglichen.

4. Fairness und psychologische Sicherheit aktiv gestalten
Führung tut gut daran, Gleichbehandlung, transparente Kriterien und einen respektvollen Umgang mit Unterschiedlichkeit konsequent vorzuleben. Führungskräfte haben die Möglichkeit, aktiv mit ihren Mitarbeitenden über Werte wie Diversität und Respekt zu reden und mit ihnen in den Dialog zu kommen. Ein Bewusstsein über gelebte Werte und eine Verständigung über deren Bedeutung stellen eine Chance dar, eine funktionierende Mikrogesellschaft zu formen, also eine Gemeinschaft, die sich an gemeinsamen Werten und Regeln ausrichtet. Eine schöne Blaupause dafür, was uns auch als Gesamtgesellschaft oder Weltengemeinschaft helfen würde!

5. Motive statt Generationsklischees sehen
Führungskräfte sollten heute weniger in Kategorien wie „die Gen Z ist …“ denken, sondern stärker auf individuelle Motivprofile achten, beispielsweise mit Hilfe einer ID37 Persönlichkeitsanalyse. Hohe und niedrige Ausprägungen etwa bei Neugier, Sicherheit, Einfluss oder Sozialkontakte erklären Verhaltenspräferenzen deutlich präziser als Generationszuschreibungen. Führungskräfte sollten Rahmenbedingungen schaffen, in denen die intrinsische Motivation von Mitarbeitenden sich entfalten kann. So können sie die Vielfalt im Team zu einer echten Ressource machen. Umfassende Infos zu ID37 gibt es auch auf der Website der ID37 Company.

Ich weiß, dass das alles einfacher klingt, als es ist. Vielleicht ist alles auch viel einfacher. Ich mache gute Erfahrungen mit zwei Fragen, um mein Gegenüber in eine gute Selbstbestimmtheit zu bringen. Ich frage

1.) Wie ist es dort, wo Du gern ankommen willst (Zielbild) und warum genau ist es dort so attraktiv für Dich (Qualität, Werte)?
2.) Was ist der ganz genaue Unterschied zur Gegenwart und was wäre der erste Schritt dorthin?

Unbedingt ausprobieren! Gutes Gelingen!